HieronyDas Bild zeigt eine Animation damit man sehen kann wie das Gerät funktioniert.mus Lorm - selbst taubblind - entwickelte Mitte des 19. Jahrhunderts ein Tastalphabet, um mit seinen Mitmenschen kommunizieren zu können.

Dabei wird die Handinnenfläche an bestimmten Stellen berührt. Diesen Berührungspunkten und –linien sind jeweils Buchstaben und Buchstabenkombinationen zugeordnet, die zu Wörtern und Sätzen zusammengefügt werden. Das so genannte Lormen ist für viele taubblinde Menschen bis heute die wichtigste Kommunikationsform. 

Einige von ihnen beherrschen zwar auch die Blindenschrift (Braille) und sind deshalb in der Lage, zu lesen und zu schreiben und so am öffentlichen Leben teilzunehmen. Aber wer die Brailleschrift nicht kennt, z.B. weil sie aufgrund später Erblindung im Alter nicht erlernt wurde, ist immer auf einen Übersetzer angewiesen, der Informationen durch lormen übermittelt. Dadurch wird der selbstbestimmte Zugang zu Informationen erschwert.

Mit dem Lormer können taubblinde Menschen ohne fremde Hilfe jeden maschinenlesbaren Text lesen und mit anderen kommunizieren. Der Lormer ist ein an einen Computer angeschlossenes Gerät, das Bewegungen, wie sie beim Lormen oder bei anderen Tastalphabeten angewandt werden, fast wie ein Mensch ausführen kann.

Das Bild zeigt den Lormer. Es ist eine kleine Metallkiste 20 cm breit, 20 cm lang und 7 cm hoch. Oben ist ein Sieb. Durch das Sieb wird luft an bestimmte Stellen der Hand gepustet.Während die Hand auf einem speziellen Sieb ruht, bewegt eine darunter angebrachte, computergesteuerte Mechanik einen Luftdüse, welche mit einem Druckluftstrahl Buchstaben in die Handinnenfläche zeichnet. Die Lesegeschwindigkeit ist mit dem Lormer in etwa so hoch wie bei einer im Lormen sehr geübten Person. Der Lormer zeichnet jede beliebige, dreidimensionale Bewegung auf, ordnet sie einer vorgegebenen Bedeutung – einem Buchstaben oder Zeichen - zu und gibt sie wieder.

Jede Bewegung kann individuell und auf die Handgröße angepasst, gespeichert und wiedergeben werden. Die Software ist so programmiert, dass mehrere Profile für verschiedene Nutzer angelegt werden können. Mit jedem Profil werden die Handgröße und die persönlichen Einstellungen wie z.B. die Geschwindigkeit sowie Texte gespeichert. Ein Benutzerprofil kann durch einen Fingerabdrucksensor vor unberechtigtem Zugriff geschützt werden. Dadurch wird die Privatsphäre des Taubblinden gewahrt, wenn das Gerät von mehreren Benutzern in einer Einrichtung für Taubblinde benutzt wird.

Die wichtigsten Funktionen des Lormers lassen sich von taubblinden Menschen mit wenigen Tasten sehr einfach über einen Force Feedback Gamepad bedieneDas Bild zeigt ein Gamepad was man sonst zum Steuern von Spielen am Computer verwendet. Damit kann man im Text hin und her springen und alle Funktionen steuern.n. Daneben kann das Gerät auch über die Tastatur sowie mit der Maus und mit Sprachbefehlen gesteuert werden. Durch unterschiedliche Vibrationen des Gamepad wird signalisiert, wann der Buchstabe, das Wort oder der Satz zu Ende ist. Des Weiteren werden so Befehlsbestätigungen oder Statusmeldungen an den Nutzer gegeben, die zusätzlich per Sprachausgabe und über den Monitor erfolgen, so dass die Bedienung auch durch nicht-taubblinde Menschen bzw. Hilfspersonen einfach möglich ist.

Der Lormer bietet vielfältige Kommunikations- und Informationsmöglichkeiten: taubblinde Menschen können Worddokumente, Emails, Webseiten und Drucksachen aller Art, die eingescannt werden, lesen. Da das Gerät über eine Sprachausgabe und eine Spracherkennung verfügt, können in ein Mikrofon gesprochene Texte direkt in Lormbewegungen übersetzt werden. Der Sprecher hört den vom Computer verstandenen Text zur Kontrolle über die Sprachausgabe und kann diesen im Bedarfsfall direkt ebenfalls per Sprachbefehl korrigieren.

Das Bild zeigt den Bildschirm der Software. Man kann sehen welcher Buchstabe im Text gerade gelormt wird. Es gibt auch eine Textvergrößerung für Menschen die sehbehindert sind.

Die Software kann auch auf einem Mobiltelefon mit Windows 8 oder einem Tablet PC eingestzt werden.

Der Taubblinde kann aber auch auf diegesprochenen bzw. gelormten Texte reagieren und so in einen direkten Dialog treten. Über die Tastatur gibt er seine Antwort ein. Synchron zum Tastendruck wird der entsprechende Buchstabe zur Kontrolle in seine Hand gelormt.

Auf diese Weise erkennt der taubblinde Benutzer die Anordnung der Tasten auf der Tastatur und kann so das selbständige Verfassen von Texten erlernen. Der Lormer eignet sich besonders für Einrichtungen, in denen Taubblinde betreut werden.Durch die Vernetzung mehrerer Lormer können gleichzeitig mehrere taubblinde Schüler von einem Lehrer unterrichtet werden.

Der Wortschatz taubblinder Menschen ist oft von relativ geringem Umfang, so dass zum Verständnis eines Textes häufig Worterläuterungen notwendig sind. Die Software des Lormers verfügt über ein eingebautes Lexikon und kann außerdem durch nur einen Knopfdruck weitere Erläuterungen online abrufen. Dadurch wird einerseits der Wortschatz erweitert und andererseits können Betreuer Wissenslücken erkennen und so die taubblinden Schüler zielorientiert fördern.

Das Bild zeigt im Mittelpunt den Lormer und rings herum sind andere Bilder die zeigen sollen was für Ein und Ausgabegeräte angeschlossen werden können wie zum Beispiel eine Sprachausgabe oder ein Scanner.

Der Lormer ermöglicht taubblinden Menschen einen selbstbestimmten Zugang zu Informationen und verbessert Ihre Kommunikationsmöglichkeiten - ohne das Kenntnisse der Blindenschrift notwendig sind!